... stets blieb eine ungelöste Kernfrage:

Warum sollte denn jemand noch Motorrad fahren wollen, wenn es doch jetzt Fahrzeuge - mit Dach - gab, die sich jedermann leisten konnte?

Warum sollte jemand noch die Risiken in Kauf nehmen wollen, sich den Unbilden des Wetters auszusetzen, Zeit, Geld, Muskelkraft und Geduld aufbringen, um dieses Vehikel schneller, besser oder schöner zu machen?

Die einzig mögliche Antwort, so beunruhigend das auch im Empfinden des braven Bürgers auch sein mochte, lief nur auf eines hinaus: sinnliche Lust.

Diese Lust besteht darin, sich rittlings auf ein Fahrzeug zu setzen, an dem nichts die reine Fortbewegungsfunktion verbarg und das unter hemmungslosem Lärm vorwärts jagte.

Außerdem war es ein sinnliches Vergnügen, bei dem der Fahrer unverhohlen seine animalischen Körperkräfte einsetzte, verdreckt und verschwitzt wurde und all das so sehr genoß, daß es ihm oder ihr gleichgültig war, wer das Lächeln der leidenschaftlichen Hingabe erblickte...

Melissa Pierson
Über die Leidenschaft, ein Motorrad zu fahren
Serie Piper, 1999, ISBN 3-492-22831-3


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